Ein Zufallsfund an einer Mauer in einer der vielen kleinen Sträßchen in Florenz.

Ein Rohr guckt überflüssig aus der Wand und jemand sieht darin ein Turngerät. Nein, eher ein Spielgerät. Das Grafitti sieht nicht wie eine Einladung zum Sport aus, die Figur übt keinen Aufschwung. Ich sehe es als eine Einladung zum Spielen, zum Schwingen, zum Tanzen mit den Beinen in der Luft. Was für ein kreativer Blick! Erst einmal muss man ja so ein Rohr zur Kenntnis nehmen. Dann es als Anregung für etwas ganz Anderes wahrnehmen. Und schließlich auch noch über die Kunst verfügen, mit Stift oder Sprühflasche zu zeichnen. Ein kleines öffentliches Kunstwerk, so im Vorübergehen zu sehen. Bei mir hat es Schmunzeln ausgelöst, auch Verwunderung und Bewunderung. Und eben: Eine Einladung, es dieser Figur nachzumachen.

Das Tanzen ist das älteste Kunststück. Körperbewegung - mal alleine, meist mit anderen, eher mit mehreren, etwa in einem großen Kreis. Alles zum Vergnügen. Ein Rhythmus geht in die Beine, sagt man so. Bei kleinen Kindern kann man es erfahren. Sie tanzen, ohne dass andere ihnen etwas vorgeben, allein beim Hören von Musik. Unwillkürlich. Später wird es vielleicht zur Kür.

Noch älter ist das Spiel. Die Weisheit spielte vor Gott, wie es dieser alternative Schöpfungsbericht in Sprüche (Proverbien) 8 weiß. Sie spielte mit Gott. Sie, die Weisheit ist kein Geschöpf Gottes, sie ist einfach da, vor allem Geschaffenen und mit Gott, wie eine vergnügte Einheit. Denn das Wort für "spielen" bedeutet auch scherzen, tanzen, lachen! Ist das nicht verrückt? Auf die Frage, was denn ganz am Anfang der Schöpfung gewesen wäre, lautet die Antwort. Das Spielen. Und Gott spielt mit. Das Spiel in diesem weiteren Sinn von Scherzen, Tanzen, Lachen liegt aller Kreativität zu Grunde. Bis heute.

Der Theologe Klaas Huizing sagt treffend: "Eigentlich müsste mit Prov 8 die Bibel starten!" Und weiter: "Die Weisheit ist hier keine abstrakte Weltvernunft, sondern eine scherzende, lachende, tanzende, den Menschen zugewandte Frauengestalt." (aus: Lebenslehre. Eine Theologie für das 21. Jahrhundert. Gütersloh 2022, S.187). Und die Theologinnen Judith Hartenstein und Silke Petersen nehmen das auf als Übersetzung für die Anfangsbeschreibung des Johannesevangeliums.: "Am Anfang war die Weisheit". (Bibel in gerechter Sprache)

Wer also gerade mal wieder nicht weiß, was zu tun ist, was man tun sollte, hier ist eine Anwort: An den Anfang zurückgehen, spielen und tanzen, scherzen und lachen. Das hält lebendig und ist die Quelle für Kreativität. Eine für das Leben.