Eine Mauer um ein vermutlich weitläufiges Grundstück. Ein Tor, das mal vor Fremden schützen sollte.
Jetzt ist es überwuchert, bestimmt eingerostet.
Niemand geht mehr rein oder raus.
Es ist zu, verriegelt, ganz zu, verschlossen.
Ich bin froh, dass ich davor stehe und nicht dahinter.
Denn dann wäre ich eingeschlossen.
Das Tor wirkt wie ein Gefängnisgitter.

Wenn etwas oder jemand ganz "zu" ist, wenn es da keine Lücke mehr gibt, keinen Durchgang und kein Durchkommen, dann ist das auch ein Ausdruck für das Gegenteil von Humor.

Denn Humor macht die Verhältnisse und Menschen durchlässig, offen und aufmerksam. Humor ist nicht das Gegenteil von Ernst, sondern davon, dass etwas zu ernst ist. Oder dass sich jemand zu ernst nimmt. Menschen, die heute in autokratisch regierten Ländern humorvoll sein wollen, leben gefährlich. Ihnen droht, dass sie weggesperrt werden. Hinter Gitter, die zu sind, ohne Entkommen. Von Menschen, die sich selbst und ihre Regierungsform für absolut erklären.

Wie gefährlich es ist, mit Menschen und Regimen zu tun zu haben, die zu sind und die keinen Spaß verstehen, allenfalls den eigenen, der dann aber nur noch zynisch ist, auf keinen Fall humorvoll! Denn mit Humor gesteht man eigene Fehler ein, relativiert eigene Meinungen und Positionen, hält die Perspektive für begrenzt und eben nicht für umfassend.

Karfreitag, das Tor ist zu. Das Grab wird verschlossen. Es gab keinen Ausweg, kein Entkommen.
Drei Tage später wird zum Osterlachen eingeladen. Denn, hurra, der Tod ist überwunden, der Stein weggerollt, alles wieder offen. Aber bis dahin halte ich inne, mit Entsetzen. Schrecklich, eine Welt ohne Humor.